Sprechen Sie “digitalisch”?

„It’s funny, what has happened to us. Our lives have become digital. Our friends, now virtual. And everything you could ever want to know is just a click away”, mit diesen Worten eröffnet der amerikanische Snowboarder Travis Rice seinen im Herbst 2011 erschienen Dokumentarfilm “The Art of Flight”. Gilt das Plädoyer von Rice auch für Deutschland? Wie digital ist die deutsche Medienlandschaft eigentlich und wie virtuell der deutsche Medienkonsum? Die ARD/ZDF-Onlinestudien, sowie die Langzeitstudie Massenkommunikation geben Aufschluss darüber, wie Deutsche die Medien nutzen.

Internet auf der Überholspur!?

Wo man früher noch persönlich für eine Überweisung zum Bankschalter ging, nutzt man heute Online-Banking. Wo das Internet vor zehn Jahren noch überwiegend am Arbeitsplatz genutzt wurde, wird es nun auch in Cafés, Bars und Flughäfen zur Verfügung gestellt. Das digitale Zeitalter scheint sich immer mehr unseren Alltag einzuschleusen.

Im Jahr 2011 bricht die deutsche Internetnutzung erstmals die 50 Millionen-Marke. Dies entspricht einem Bevölkerungsanteil von 73,3 Prozent oder der Gesamtbevölkerung Süd-Afrikas. Doch trotz dieser rasanten Internetentwicklung behalten, laut der ARD/ZDF-Studie Massenkommunikation aus dem Jahr 2010, Fernsehen und Radio die Pole-Position. Obwohl inzwischen drei von vier Deutschen täglich für 83 Minuten das Internet nutzen, liegen das Fernsehen mit 220 und das Radio mit 187 Minuten pro Tag an der Spitze. Das sind immerhin zwei Drittel der gesamten Mediennutzungsdauer. Das im Vergleich kümmerlich wirkende Schlusslicht bilden Tageszeitungen und Zeitschriften: 2010 lag ihre Nutzungsdauer bei 23 beziehungsweise gerade mal 6 Minuten pro Tag.

Durch die Analyse des täglichen Nutzungsverlaufs wird auch die Relevanz der Medien deutlich. Fast 80 Prozent der Gesamtbevölkerung nutzen in der Zeit zwischen 20.30 Uhr und 21.00 Uhr ein Medium. Besteht die Möglichkeit, dass Deutschland zunehmend einer digitalen Medienlandschaft verfällt?

Wie analog ist digital?

Als das digitale Zeitalter noch in seinen Kinderschuhen steckte, waren 1997 insgesamt 5,6 Prozent Internetnutzer online. Knapp vier Jahre später hingegen, war der Anteil bereits auf 38,8 Prozent angestiegen. Vor allem in den letzten Jahren hat eine Reihe von neuen Trends und Technologien den Alltag revolutioniert. Warum ein Buch kaufen, wenn man es als E-Book im Netz findet? Warum beim Autohändler seines Vertrauens vorbeischauen, wenn man sich seinen Traumwagen online ersteigern kann? Man würde meinen, dass sich vor allem die ältere „Analog-Generation“ zunehmend mit diesen Umwälzungen schwer tut. Umso interessanter ist somit die Beobachtung, dass es 2011 einen starken Zuwachs bei den über 60-Jährigen Internetnutzern, den „Silver Surfern“ gab: 34,5 Prozent von ihnen sind inzwischen online, was einer Steigerungsrate von 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Somit hätte sich die Prognose aus der ARD/ZDF-Onlinestudie 2007, dass sich der Internetzuwachs in Zukunft auf diese sogenannten „Schwellengruppen“ zurückführen ließe, bewährt.

Nach einem Jahrzehnt einer sich stetig verändernden Medienlandschaft, verbringen die Deutschen inzwischen 9 Stunden und 43 Minuten mit Medien. Pro Tag. Das entspricht einem Flug von Berlin nach New York. “Experiencing the world through endless second-hand information is not enough. If we want authenticity, we have to initiate it”: Travis Rice verlagert sein Gewicht nach vorne, sein Board versinkt im tiefen Neuschnee und der Snowboarder surft den steilen Berghang hinunter. Ohne Fernsehen. Ohne Radio. Ohne Internet.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s